Im Folgenden geht es um sogenannte
Singularitäten oder
Witterungsregelfälle der Meteorologie:
Der Begriff Singularität (lat. singularis: einzeln, einzigartig) bezeichnet in der Meteorologie sogenannte Witterungsregelfälle. Das sind Wetterlagen, die zu bestimmten Zeitabschnitten im Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit auftreten. Die Ursache dieser Regelmäßigkeit liegt im zyklischen Verlauf des Sonnenstandes und in damit verbundenen Temperaturänderungen. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass das Eintreffen der Singularitäten zu einem bestimmten Stichtag oder Zeitraum auch sehr von Zufällen abhängig ist; außerdem treten diese Ereignisse meist nicht einmal in zwei Dritteln aller beobachteten Jahre auf.
Bekannte Singularitäten in Mitteleuropa sind zum Beispiel der Märzwinter, die Eisheiligen, die Schafskälte, der Altweibersommer, der Martini-Sommer und das Weihnachtstauwetter.
Der Begriff „Singularität“ wurde von August Schmauss in den 1920er Jahren eingeführt, seitdem nannte man die Erforschung dieser Regelmäßigkeiten im Jahresgang der Witterung „Singularitätenforschung“. Ihren Höhepunkt hatte die Singularitätenforschung bis in die 1940er Jahre. Ziel war es, eine Wettervorhersage aufgrund dieser wiederkehrenden Ereignisse zu ermöglichen, was jedoch aufgegeben werden musste. In den 1950er Jahren wurde dann die Singularitätenforschung von Franz Baur zur Erforschung der Großwetterlagen weiterentwickelt.
Als
Märzwinter wird ein in Mitteleuropa häufig auftretender Spätwintereinbruch bezeichnet. Dabei tritt dieser Kälteeinbruch meist um die Mitte des Monats März mit frostigen Temperaturen auf, häufig dann, wenn der vorangegangene Winter sehr mild war.
Ursache ist in den meisten Fällen das von Osten eindringende polare Klima, das sehr kalte und trockene Luft mitbringt. Wenn es bis dahin schon recht warm war und die Natur sich bereits auf den Frühling eingestellt hat, kann das zu einer Entwicklungsverzögerung von ein bis zwei Wochen führen.
„Märzwinter“ mit Orkanböen und Schnee 2009:
Mit Orkanböen und Schneemassen kehrt kurz nach dem offiziellen Frühlingsbeginn der Winter nach Deutschland zurück. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gab am Montag amtliche Unwetterwarnungen wegen heftigen Sturms in den Gebirgsregionen in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Bayern heraus. Dachziegel können herabfallen, Bäume entwurzelt werden. In Sachsen gilt ab Montagnachmittag bis Dienstagmorgen auch eine Unwetterwarnung vor starkem Schneefall und Schneeverwehungen in Lagen oberhalb von 600 Metern. In der Nacht können auch Gewitter auftreten.
Mit
Eisheiligen werden die Tage vom 11. bis 13. Mai in Norddeutschland (Mamertius, Pankratius, Servatius) und in Süddeutschland die Tage vom 12. bis 14. Mai (Pankratius, Servatius, Bonifatius) bezeichnet.
Der Hintergrund der Eisheiligen ist derjenige, daß häufig zu dieser Zeit einer der letzten kräftigen Kaltluftvorstöße mit entsprechenden Nachtfrösten auftritt. Ebenfalls in die Kategorie dieser gefürchteten Spätfröste fällt die sog. kalte Sophie, die auf den 15. Mai festgesetzt wurde.
Natürlich existieren in der Praxis keine tatsächlichen Bindungen dieser letzten Kaltluftvorstöße an derartige Tage. Sie treten bisweilen auch einige Tage später auf, während sie in anderen Jahren im Mai gar nicht mehr auftreten, wie dies zum Beispiel in diesem Jahr (2000) der Fall war, wo die letzten kräftigen Kaltluftvorstöße in die erste Hälfte des Aprils fielen!
Als
Schafskälte (Link) dem 10. bis 20. Juni
Siebenschläfer (Link): erste Juliwoche
Die größte Hitze herrscht in der Regel vom 15. bis 24. Juli während der sogenannten
"Hundstage". Mit den Hundstagen bezeichnet man in Europa die heißeste Zeit des Jahres. Allerdings hat die Bezeichnung nur indirekt etwas mit den Vierbeinern zu tun. Die Ursprünge sind eher in der Astronomie zu suchen.
Denn die Hundstage leiten ihren Namen vom Sternbild "Großer Hund" (canis major) ab, dessen hellster Stern der Sirius ist. Das gesamte Sternbild ist dabei so groß, dass zwischen dem Aufgang seines ersten und letzten Sterns 30 bis 31 Tage vergehen.
Altweibersommer bezeichnet einen Zeitabschnitt gleichmäßiger Witterung im September, welcher sich durch ein Hochdruckgebiet, stabiles Wetter und ein warmes Ausklingen des Sommers auszeichnet.
Der Name leitet sich von Spinnfäden her, mit denen junge Baldachinspinnen im Herbst durch die Luft segeln. Mit „weiben“ wurde im Altdeutschen das Knüpfen der Spinnweben bezeichnet.
Ausschlaggebend für die oftmals beständig-warme und sonnenscheinreiche Altweibersommerphase im September ist die Tatsache, dass sich die Temperatur- und Luftdruckgegensätze auf der Nordhalbkugel stark reduziert haben. So sind die Luftdruckunterschiede oftmals nur gering und auf der Ostflanke hohen Luftdruckes über Ost- und Südosteuropa können trocken-warme Festlandsluftmassen zu uns transportiert werden. Der tiefe Luftdruck über dem Nordatlantik ist dann zu schwach, um gegen die blockierende Wirkung der Hochdruckallianz ankommen zu können. In manchen Jahren wird dann auch ein Tiefdruckgebiet über der Iberischen Halbinsel aktiv und sorgt dort für erste unwetterartige Wettererscheinungen in Form von heftigen und sehr niederschlagsreichen Gewittern (Quelle:
www.meteomedia.ch).
In Nordamerika ist diese Jahreszeit als "Indian Summer" bekannt. In Schweden spricht man vom „brittsommar“.
Martini-Sommer ist ein Synonym zu Martins Sommer und ein volkstümlicher Begriff in der Schweiz und Süddeutschland für eine typische Schönwetterperiode gegen Ende der ersten November-Dekade mit stabilen Hochdrucklagen, die in entsprechenden Jahren in den Weinbaugebieten eine Novemberlese möglich macht. Schweizer Meteorologen verwenden seit Generationen diesen aus dem Mittelalter des christlichen Abendlandes stammenden Ausdruck auch heute noch in ihren Wetterprognosen. Mittlerweile wird der Ausdruck Martini-Sommer im ganzen deutschsprachigen Raum angewendet. Martini-Sommer wird gerne mit Altweibersommer verwechselt. Letzterer betrifft jedoch die späten schönen Sommertage im Monat September.
Der Legende nach ereignete sich dieses Wetterphänomen erstmals beim Tod des Heiligen Martin im französischen Tours. Der Bischof starb unerwartet während eines Besuches im Kloster, das er gegründet hatte. Beim Transport des Leichnams auf der Loire in die Stadt geschah das vermeintliche Wunder eines raschen Wärmeeinbruchs, so dass die Ufer neu ergrünten und Fruchtbäume zu blühen begannen. Eine alte Bauernregel sagt sinngemäß „Bringt Allerheiligen (1. November) einen Winter, so bringt Martini (11. November) einen Sommer“ und der Volksmund „St. Martins Sommer währt nicht lange“.
Martini-Sommer ist demnach eine Zeit mit einigen warmen Tagen kurz vor den dunklen Winterszeit - ein nochmaliges letztes Aufblühen der Natur kurz bevor sie in den tiefen Winterschlaf verfällt. Im übertragenen Sinne eine barmherzige Zeit. Am Martinstag wird mit der Martinigans der Sommer geschlachtet. Der Brauch Tiere feierlich zu schlachten und zu einem Festbraten zu erheben, hängt damit zusammen, dass man früher an die Vegetationsgeister glaubte, sie sich als Tiere vorstellte, als Hahn, Schwein oder Gans, ein Korn- und Erdgeist, der genauso verging wie der Sommer. Mit dem Martinifeuer (auch Martinsfeuer) wird dann der Sommer endgültig verbrannt.
Weihnachtstauwetter nennt man die mild-nasse Witterungsperiode, die in Mitteleuropa in gut sieben von zehn Jahren zwischen dem 24. und dem 29. Dezember eintritt.
Beim Weihnachtstauwetter stößt von Südwesten her feuchtwarme Meeresluft nach Mitteleuropa vor. Sie bringt ergiebige Regenfälle und lässt die zuvor im Frühwinter gebildete Schneedecke zum Teil bis hinauf in die Gipfellagen der Mittelgebirge abschmelzen. Da das Regen- und Schmelzwasser im meist noch gefrorenen Erdboden nicht versickern kann, führen die Flüsse in dieser Zeit häufig Hochwasser. Nicht immer können sich die feuchtwarmen Luftmassen überall durchsetzen. Oft verläuft quer durch Mitteleuropa eine scharfe Grenze, die milde Luft im Südwesten von kalter Luft im Nordosten trennt. Entlang dieser Luftmassengrenze fällt nicht selten gefährlicher Eisregen.